Frauen und Technik

Frauen und Technik!? Das Waldviertel zeigt, wie's geht!

Abwechslungsreicher Job? Gute Aufstiegschancen? Positive Gehaltsentwicklung?
Flexible Arbeitszeitgestaltung? Traumjob mit Wohlfühlfaktor?

Für Frauen, die sich – frei nach dem Motto „Die Technik war lange genug reine Männersache!“ - für eine technische bzw. handwerkliche Ausbildung und ein Leben im oberen Waldviertel entschieden haben, sind diese Träume Realität geworden. Für ein Leben in einer Region, die mit über 300 aktiven Betriebsstandorten in Industrie und produzierendem Gewerbe der Top-Wirtschaftsstandort im Waldviertel ist. Eine Region, deren international tätige Betriebe – ELK, EATON, AGRANA oder NBG, um nur einige zu nennen – unseren Jugendlichen eine breite Palette von 50 unterschiedlichen Lehrberufen anbieten, die in der Region erlernt werden können. Weil bei uns im Waldviertel, anders als in den städtischen Ballungsräumen, Handwerk noch den sprichwörtlichen goldenen Boden hat – einen Boden, der Ihre Basis für Ihren Traumjob und ein Leben mit Wohlfühlfaktor für Sie und Ihre Familie sein kann.

In unserer Serie "Frauen und Technik?!Das Waldviertel zeigt, wie's geht!" stellen wir Ihnen Frauen vor, die mit einer technischen oder handwerklichen Ausbildung im Waldviertel ihr berufliches Glück gefunden haben

Verena Häusler

Geschäftsführerin der kpp consulting (Foto: privat)

Eine, die vorgemacht hat, wie’s geht und dank ihrer technischen Ausbildung im Waldviertel „angekommen“ ist, ist Verena Häusler, Geschäftsführerin der kpp consulting gmbh in Schrems. Zu den Hauptaufgaben ihrer abwechslungsreichen Tätigkeit zählen die Leitung von Bauvorhaben und die Planung von Gebäudesanierungen. Doch was hat die gebürtige Wienerin, die – wie sie so schön sagt – vor sieben Jahren ins Waldviertel „importiert“ wurde – dazu gebracht, ihr Glück mit der Technik zu versuchen? „Nach meiner Ausbildung in der Handelsakademie und mit dem Abschluss Matura war ich noch nicht ‚angekommen‘. Ich war auf der Suche nach interessanten weiterführenden und zusätzlichen Ausbildungen. Eine universitäre Ausbildung war für mich keine Option, daher habe ich mich für ein Kolleg entschieden. Da ich immer schon sehr an Technik interessiert war, die Themen Umweltschutz und Energie für mich interessant waren, war das Kolleg für Erneuerbare Energie und Energieeffizientes Bauen genau die richtige Wahl“, schildert Verena Häusler, die ihre Ausbildung am Technischen Gewerbemuseum (TGM) in Wien 20 absolviert hat.
Wer mit Frau Häusler über ihren Beruf spricht, spürt, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen hat: „Mein Beruf heute hat nur mehr wenig mit meiner Ausbildung zu tun. Es ergibt sich aber auch immer wieder die Möglichkeit Energieberatungen durchzuführen und Energieausweise zu berechnen. Bei Sanierungsprojekten ist es schön zu sehen, wie sich ein Objekt im Laufe einer Sanierung verändert. Auch der tägliche Kontakt mit vielen verschiedenen Personen (Arbeiter, Bauleiter, Bürgermeister, Bauherr,…) macht die Arbeit spannend und abwechslungsreich. Es steht aber auch eine große Verantwortung hinter dieser Tätigkeit. Kein Tag ist wie der andere, es gibt keinen sogenannten Alltagstrott.“ Verena Häusler sieht, vorausgesetzt, dass sich der Arbeitsmarkt nicht verändert, auch ihre Zukunft im Waldviertel, da sie nicht zuletzt das Plus an Lebensqualität „innerhalb und außerhalb der Arbeitszeit“ im Vergleich zur Großstadt Wien sehr schätzt. Und welchen Ratschlag möchte Verena Häusler Mädchen und Frauen geben, die mit dem Gedanken spielen, eine technische Laufbahn einzuschlagen? „Ich kann nur jedem empfehlen, sich nicht aufgrund von irgendwelchen Schnelltests und Zwängen durch Familie und Freunde für einen Beruf zu entscheiden. Der Beruf sollte Freude machen. Wenn die Wahl dann auf einen technischen Beruf fällt, ist Durchhaltevermögen und Ausdauer gefragt. Wenn die ersten Hürden geschafft sind, kann ich nur versprechen, wird es immer interessanter.“

Nähere Informationen zu freien Jobs oder Berufsbildern am Standort unter http://www.schrems.at

Natascha Peichl

Tierpflegerin und Assistentin der Geschäftsführung (Foto: Unterwasserreich Schrems)

Als Tor zum Naturpark Hochmoor Schrems und Heimat der beiden tierischen Publikumsmagnete Laszlo und Luca ist das UnterWasserReich Schrems weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Dass der reibungslose Betrieb des beliebten Naturerlebniszentrums nur dank der guten Zusammenarbeit des UWR-Teams möglich ist, ist uns beim Spaziergang quer durch bunte Aquarien und spannende Hightech-Mikroskope aber nicht immer bewusst.

Eine besondere Rolle in diesem Team spielt der Tierpfleger - in unserem Fall, die Tierpflegerin. Denn im UWR wird dieser Beruf von einer engagierten jungen Frau ausgeübt, die schon von Kindesbeinen an große Freude an der Beschäftigung mit Tieren hatte. Ihr Name ist Natascha Peichl, sie ist gebürtige Schremserin und hat sich im zweiten Bildungsweg für den Lehrberuf der Tierpflegerin entschieden. Nach der theoretischen Ausbildung beim BFI in Wels konnte sie praktische Erfahrungen im Zoo Schmiding, im Alpenzoo Innsbruck und im Zoo Salzburg sammeln.

Auf die Frage, warum sie sich für diesen nicht gerade „frauentypischen Beruf“, der neben einem „guten G’spür“ für Tiere und scharfer Beobachtungsgabe auch die Bereitschaft zum Ausmisten und Bedienen technischer Geräte erfordert, entschieden hat, antwortet Natascha Peichl: „Da ich großes Interesse an der Arbeit mit Tieren habe und ich mich auch sehr gerne mit ihnen beschäftige, ich mich aber auch für den technischen Hintergrund in einem Zoobetrieb interessiere, war das die ideale Berufswahl für mich“. Es sind gerade die unvorhergesehenen Ereignisse, die täglichen Herausforderungen im Umgang mit den Tieren, die ihren Beruf für Natascha Peichl zu etwas Besonderem machen: „Mir gefällt an meinem Beruf, dass er sehr abwechslungsreich ist und mir nie langweilig wird. Ich werde oft mit neuen Situationen konfrontiert, wo schnell Lösungen gefunden werden müssen“. In der Tat ist dieser Beruf sehr facettenreich, wie die Tierpflegerin mit Leib und Seele erläutert: „Tiere, die nicht in ihrer natürlichen Umgebung aufwachsen, müssen vom Menschen betreut und gepflegt werden. Ein Tierpfleger weiß über die Ansprüche der Tiere an ihren Lebensraum und an die Futtermittel Bescheid und kann Anlagen und das Gehege entsprechend gestalten. Man verfolgt als Tierpfleger Veränderungen und Auffälligkeiten im Verhalten, Aussehen und im Gesundheitszustand und man sollte auch wissen, welche Maßnahmen man gegebenenfalls ergreifen muss.“ Neben Freude an Kommunikation und Verantwortungsbewusstsein sollten TierpflegerInnen in spe auch ein gewisses technisches Grundverständnis mitbringen: „Es gehört auch zu diesem Job dazu, dass man mit diversen technischen Geräten zu tun hat und diese auch im Bedarfsfall bedienen kann. Zu diesen Geräten zählen z.B. Pumpenanlagen, Schaltkästen, Filteranlagen usw.“

In Schrems hat Natascha Peichl das perfekte Umfeld für die Ausübung ihres Berufes gefunden: „Ich lebe sehr gerne in der Region, da ich mich hier bedingt durch die wunderschöne Umgebung mit den Naturparks, den freundlichen Menschen und der für mich positiven Infrastruktur sehr wohl fühle. ARBEIT-FREIZEIT-LEBEN - für mich sind hier alle drei Komponenten voll erfüllt!“ An Mädchen und junge Frauen, die Interesse an Handwerk und Technik haben, wendet sie sich mit einer Botschaft: „Ich persönlich finde es sehr wichtig, dass sich Frauen und Mädchen auch zutrauen in einen handwerklichen oder technischen Beruf zu gehen, da es meistens nicht am Können und am Interesse scheitert, sondern an der Angst aus der Norm zu fallen, wenn man einen ‚Männerberuf‘ erlernen möchte.“

Natascha Peichl bei der Fischotterfütterung

Foto: Unterwasserreich Schrems

Tamara Houschko, die bei der Schremser Firma Seidl den Beruf der Malerin und Tapeziererin erlernt, wusste bereits von Kindesbeinen an, dass sie einmal einen handwerklichen Beruf erlernen möchte. „Ich war lange unentschlossen, doch plötzlich war es von einem Tag auf den anderen klar: Ich wollte Malerin werden“, erzählt die junge Frau, die derzeit eine Doppellehre als Tapeziererin und Dekorateurin sowie als Malerin und Beschichtungstechnikerin absolviert. Neben ihrer vielfältigen Tätigkeit, zu der das Arbeiten auf Fassaden, in Innenräumen, auf Gartenmöbeln, das Tapezieren von Wänden oder auch das Montieren von Sonnenschutz zählt, schätzt Tamara Houschko an ihrem Beruf das gute Arbeitsklima bei der Fa. Seidl, das nette Team und die Tatsache, dass sie das einzige Mädchen im Team ist. Besonders froh ist sie darüber, dass sie ihren Wunschberuf in ihrer Heimat ausüben kann: „Weil ich da meine vertrauten Menschen um mich habe und jeden Tag nach Hause fahren kann“, betont die junge Malerin, die aus Groß Radischen stammt

Ebenfalls das Glück, ihren Wunschberuf im Waldviertel ausüben zu können, hat Nadine Zeiler, die bei der Fa. BZ-Bau GmbH in Schrems den Beruf der technischen Zeichnerin erlernt. Das Interesse für diesen Beruf wurde durch Nadines Vater geweckt, tja und dann spielte – wie man so schön sagt – auch der Zufall mit, da die Firma gerade auf der Suche nach einem/r technischen ZeichnerIn war, als Nadine ihre Schulausbildung abschloss. Nadines Hauptaufgabe ist das Zeichnen von Plänen – was sich ja sehr einfach anhört, in der Praxis aber eine sehr komplexe und verantwortungsvolle Aufgabe ist. „Dazu gehört das Anfertigen von Plänen nach Anordnung eines Bautechnikers, das Durchzeichnen von Maßskizzen, das Anfertigen von Schalungs- und Polierplänen sowie das Anwenden von CAD-Techniken“, beschreibt Nadine Zeiler ihre abwechslungsreiche Tätigkeit, bei der es immer etwas dazu zu lernen gibt. „Seit ich in der Fa. BZ-BAU arbeite, habe ich durch meine Kollegen sehr viel gelernt und lerne immer mehr dazu. Mein Beruf ist sehr verantwortungsvoll und sehr interessant“, ist Nadine Zeiler davon überzeugt, die richtige Berufswahl getroffen zu haben.

Seit über 60 Jahren steht das Werk Schrems der EATON Industries (Austria) GmbH (vormals F& G bzw. Moeller) im Bereich Elektro-Komponentenerzeugung und Anlagenbau für höchste Qualität aus dem Waldviertel. Rund 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind derzeit für die Eaton Industries am Standort Schrems tätig – damit ist das Werk Schrems einer der größten Arbeitgeber in der Region, der sich – dank innovativer Produktpalette, internationalem Renommee und mitarbeiterfreundlichem Betriebsklima – bei den ArbeitnehmerInnen in Schrems und Umgebung großer Beliebtheit erfreut.

Die Eaton Industries GmbH, die mit ihrer hauseigenen Lehrwerkstätte und diversen sozialen Projekten zur Mitarbeitervorsorge bei nationalen Jurys punkten und zahlreiche Preise einheimsen konnte, ist nicht nur ein Garant für Top-Produkte aus dem Waldviertel. Sie ist auch ein Paradebeispiel dafür, dass Frauen und Technik schon lange kein Widerspruch mehr sind. Ganz im Gegenteil, wie die jungen Waldviertlerinnen Melanie Straßer, Lisa Preiss und Ramona Redl zeigen, die sich für eine Lehre bei Eaton entschieden haben. Sie zählen damit zu den mehr als 600 jungen Menschen – darunter auch viele Frauen! –, die in der hauseigenen Lehrwerkstätte in Schrems in 7 Lehrberufen erfolgreich ausgebildet werden konnten.

Ihr erstes Lehrjahr bei Eaton absolviert gerade Melanie Straßer aus Kleinweißenbach im Bezirk Zwettl, die durch Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis auf das Waldviertler Top-Unternehmen aufmerksam wurde. Eine erfolgreiche Schnupperzeit bei Eaton im Rahmen des Polytechnikums hat Melanie darin bestärkt, bei Eaton eine Doppellehre als Werkzeugbautechnikerin und Kunststoffformgeberin zu beginnen. Mittlerweile ist die junge Frohnatur ein fixer und gern gesehener Bestandteil ihres männlich dominierten Ausbildungsjahrgangs.

Bereits im 2. Lehrjahr zum Doppelberuf Werkzeugbautechnikerin/Kunststoffformgeberin ist Lisa Preiss aus Zwettl, die ebenfalls durch positives Feedback in ihrem Freundeskreis dazu ermutigt wurde, bei Eaton einen technischen Beruf zu erlernen. Lisa ist eine waschechte Quereinsteigerin, die direkt vom BORG den Umstieg in den Berufsalltag gewagt hat – und das noch keinen einzigen Tag bereut hat. Sie hat diesen Wechsel hervorragend gemeistert, ist zu einer Leaderin in ihrer Jahrgangsgruppe geworden und hat die Berufsschule zwei Mal mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen.

Ein „alter Hase“ ist im Vergleich dazu Ramona Redl, die im Jahr 2007 ihre Lehre als Werkzeugbautechnikerin begonnen hat und diese im Februar 2011 erfolgreich abschließen konnte. Die junge Heidenreichsteinerin ist bei Eaton nun als Facharbeiterin im Bereich Werkzeugbau beschäftigt und absolviert derzeit ihre Meisterausbildung im WiFI Gmünd.

Fotos: Markus Lohninger

Wer das Verkaufslokal der Waldviertler Schuhwerkstatt in der Niederschremser Straße betritt, findet dort nur sehr selten gähnende Leere vor. Ganz im Gegenteil: Meist tummeln sich dort Menschenmassen, um ein Paar der begehrten „Waldviertler“ zu erstehen, die dann zu beinahe unverwüstlichen Begleitern auf leisen Sohlen werden. Motor dieses Erfolgs ist der gebürtige Oberösterreicher Heini Staudinger, seit 1994 Geschäftsführer der Waldviertler Werkstätten (Waldviertler Werkstätten/GEA Möbel) in Schrems. Um den einstigen Kleinbetrieb zu einem florierenden Unternehmen zu machen, ist Staudinger nicht immer den einfachen Weg gegangen – seine Wirtschaftsphilosophie ist ungewöhnlich, seine Unterstützung gilt vor allem jenen, die nicht zu den Privilegierten gehören, aber der Erfolg spricht für sich: Mittlerweile sind rund 150 MitarbeiterInnen in Schrems beschäftigt. „Wir müssen Gelegenheiten schaffen, damit Leute hier, wo sie zuhause sind, leben und arbeiten können", so Staudinger zum Standort Schrems. Die Waldviertler Werkstätten sind zu einem wichtigen Arbeitgeber in der Region geworden, der insbesondere Frauen anspricht und sie dazu motiviert, eine handwerkliche Laufbahn einzuschlagen - da Handwerk bei Heini Staudinger und seinem Team noch den sprichwörtlichen goldenen Boden hat und der weiblichen Kreativität dabei kaum Grenzen gesetzt sind.

Auch Sophia Maria Waringer, Marlene Handl (2. bzw. 3. Lehrjahr als Schuhmacherin) und Jaqueline Litschauer (1. Lehrjahr als Oberteilherrichterin) haben sich für eine Lehre in den Waldviertler Werkstätten entschieden. Nina Höllmüller (Gesellin) hat ihre Lehrausbildung zur Schuhmacherin bereits abgeschlossen. Was hat aber nun für ihren Eintritt in die Waldviertler Werkstätten den Ausschlag gegeben? „ ‚Handwerk hat goldenen Boden‘, sagt Papa. Mich begeistert es, einen Schuh mit den eigenen Händen zu machen. Mir ist es wichtig, einen Beruf auszuüben, in dem man kreativ sein ‚muss‘“, gerät Sophia Maria Waringer ins Schwärmen, wenn sie von ihrem Beruf erzählt. Marlene Handl kann sich dem nur anschließen: „Ich bin gerne kreativ und arbeite gerne mit Naturprodukten.“ Der Beruf der Schuhmacherin erfüllt Marlenes Wünsche voll und ganz: Er ist sehr abwechslungsreich und erfordert ein hohes Maß an Kreativität, wie Nina Höllmüller erklärt: „Ich mache alle Tätigkeiten in der Produktion, je nachdem wo ich gebraucht werde. Derzeit bin ich hauptsächlich beim Schleifen und Aufpressen. Ich bin froh, diese Lehre gemacht zu haben. Jetzt bin ich schon ‚ausgelernt‘ und mir macht der Beruf immer noch viel Spaß.“ Außer ihrer Begeisterung für ihren Beruf haben die jungen Frauen noch eine Gemeinsamkeit: Sie sind froh darüber, hier im Waldviertel leben und arbeiten zu dürfen, die hohe Lebensqualität und die Nähe zu ihren Familien und Freunden genießen zu dürfen. Jaqueline Litschauer: „Ich bin sehr froh, eine Arbeit in der näheren Umgebung gefunden zu haben. Ich kann jeden Tag nach Hause kommen und mit meiner Familie zusammen sein. Außerdem geht nicht so viel Zeit fürs hin- und herfahren drauf wie bei Pendlern.“ Auf die Frage, ob sie jungen Mädchen empfehlen würden, sich ebenfalls für einen handwerklichen Beruf zu entscheiden, sind sich alle einig. „Ja, klar. Es macht sehr viel Spaß“, antwortet Marlene Handl, „mir gefällt es etwas für Menschen herzustellen, das sie täglich brauchen“. Auf unser Schuhwerk trifft das zweifelsohne zu.

Dass die Stadt Schrems mit einer großen Dichte an starken Industriebetrieben und produzierendem Gewerbe regional und überregional als Wirtschaftsstandort punkten kann, ist bekannt. Schrems hat aber noch ein weiteres Atout im Ärmel, ist es doch ein Bildungsstandort, der mit einer Besonderheit aufwarten kann, die vor allem für Mädchen und junge Frauen eine große Vorbildwirkung hat: Die Führungspositionen in allen Schremser Schulen – der Volksschule, der Neuen Mittelschule und der Allgemeinen Sonderschule – werden durchwegs von Frauen bekleidet. Von Frauen, die ihren Beruf lieben, mit Engagement ausüben und den Umgang mit Kindern als Freude und Herausforderung erleben.

Regina Luttenberger, die Direktorin der Volksschule Schrems (und auch der Volksschule Großdietmanns) wusste als „große Schwester“ schon von Kindesbeinen an, dass sie einmal Lehrerin werden möchte. „In meinem Beruf liebe ich besonders den Umgang mit Kindern. Unterschiedliche Schülerpersönlichkeiten stellen mich vor die Herausforderung, täglich die richtige Balance zwischen Zuwendung und Führung zu finden“, schildert die Pädagogin, die im Lehrberuf, den sie als „Beziehungsberuf“ sieht, ganz aufgeht. „Man braucht viel Einführungsvermögen, die Liebe zu jungen Menschen und die Fähigkeit zum Vermitteln, wenn Probleme auftauchen“, ist Regina Luttenberger überzeugt. In ihrer Heimatregion nach ihrer Ausbildung einen Arbeitsplatz gefunden zu haben, bedeutet ihr sehr viel – nicht zuletzt deshalb ist es ihr ein Anliegen, bereits die Schülerinnen der Volksschule über die vielfältigen Berufsmöglichkeiten in der Region zu informieren. Ein wichtiger Schritt dazu ist das Projekt „Volksschule trifft Wirtschaft“, das im Schuljahr 2012/13 für die 3. und 4. Klassen startete. „Dabei geht es darum, dass die Kinder die unterschiedlichsten Berufszweige kennen lernen und später nicht nur die ‚klassischen‘ Männer- oder Frauenberufe angestrebt werden“, erklärt die VS- Direktorin. „Ich finde, dass sich junge Frauen nicht davor scheuen sollten, einen handwerklichen oder technischen Beruf auszuüben, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind, denn bereits in so manchen Kindern schlummern verborgene Talente“, ist Luttenberger überzeugt.

Einen ähnlichen Tipp hat auch Romana Weisgram, Direktorin der Neuen Mittelschule Schrems, für ihre Schülerinnen parat. „Ich kann allen Mädchen und jungen Frauen nur den Rat geben, sich für den Beruf zu entscheiden, den sie wirklich wollen, der sie interessiert und für den sie auch bereit sind eine manchmal nicht einfache Ausbildung zu absolvieren, auch wenn es sich nicht um einen klassischen Frauenberuf handelt“, so die erste weibliche Leiterin der NMS, früher HS Schrems, die seit fast 35 Jahren den Lehrberuf mit Motivation und Freude ausübt und in den letzten Jahren ihren persönlichen Fokus auf innovative Ideen der Unterrichtsgestaltung gerichtet hat. Um die Jugendlichen auf ihrem Weg in eine erfolgreiche berufliche Zukunft zu unterstützen setzt die NMS Schrems – neben dem Unterrichtsfach Berufsorientierung, das als verbindliche Übung angeboten wird - zahlreiche Aktivitäten. Dazu zählen Schnuppertage in den Betrieben, z.B. im Rahmen des Projekts „Jugend trifft Wirtschaft“ der Kleinregion Waldviertler StadtLand, oder die Teilnahme am WIFI-Talentecheck. Romana Weisgram hofft dadurch die Chancen ihrer Schülerinnen und Schüler auf eine Anstellung in der Heimat zu erhöhen. „Das Waldviertel ist meine Heimat, der ich mich sehr verbunden fühle. Ich versuche auch beruflich immer wieder in Projekten meinen SchülerInnen die Bedeutung und die Berufsmöglichkeiten im Waldviertel deutlich zu machen bzw. ihnen meine Wertschätzung für unsere Region weiterzugeben“, schildert die NMS-Direktorin, die als ausgebildete Lerndesignerin für die Umsetzung des neuen pädagogischen Konzepts an ihrer Schule war.

Ihre Schützlinge gut auf das Leben nach der Schule vorzubereiten ist auch das Ziel von Maria Schandl, Direktorin der Allgemeinen Sonderschule. „Wir arbeiten mit der Berufsschule, mit dem Jugendcoaching und allen Firmen, die unseren Jugendlichen ein Schnuppern in ihren Betrieben ermöglichen, zusammen“, erläutert Schandl, die als größte Herausforderung für die Zukunft sieht, auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit, Freizeit und Erholung zu achten. Und genau das ermöglicht ihr das Waldviertel: „Das ist wohl auch der Grund, warum ich so gerne in der Region arbeite. Hier in der Natur kann man sich gut erholen, schnell abschalten und wieder Kraft für den neuen Tag schöpfen. Ich würde auf höheres Gehalt oder Aufstiegschancen usw. auf jeden Fall verzichten, wenn ich dafür in die ‚große Stadt‘ zur Arbeit fahren müsste“. Im Waldviertel hat Maria Schandl ihren persönlichen Luxus gefunden – keine riesigen Einkaufszentren mit Angeboten aus aller Welt, keinen grenzenlosen Konsum, sondern die Rückbesinnung auf den Wert der Familie, einen „langsameren“ Lebensstil und vielleicht auch ein wenig mehr Bescheidenheit und Zufriedenheit.